Ölpreise auf 13-Jahres-Tief gefallen

Heizölpreise - Bundesweite Preisentwicklung von Heizöl

Nach der Aufhebung von Handelssanktionen gegen Iran haben die Ölpreise ihren Sinkflug am Montag fortgesetzt. Dementsprechend wurden auch die Heizölpreise heute im bundesweiten Durchschnitt um weitere 0,6 ct/l nach unten gezogen und befinden sich mit aktuell 39,2 Cent/Liter auf einem neuen Langzeittief. Regional betrachtet gaben die Heizölpreise ebenfalls in fast allen Bundesländern nach. Lediglich in Brandenburg und Berlin verharrten die Preise auf dem Stand von Freitag. In allen anderen Bundesländern sanken die Heizölpreise in einer Bandbreite von 0,1 bis 1,0 Cent/Liter. Die kräftigsten Preisnachlässe in Höhe von einem Cent je Liter entfielen hierbei auf Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Am günstigsten ist Heizöl weiterhin in Hamburg, wo der Liter aktuell nur 36,2 Cent kostet.

Entwicklungen am Ölmarkt

Am Samstag war es so weit. Die von vielen erwartete Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran wurde durch die EU-Außenbeauftragte und den US-Außenminister verkündet. Zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA bekannt gegeben, dass der Iran alle Auflagen aus dem Atomabkommen erfüllt habe. Somit kann der Iran ab heute wieder mit ganzer Stärke auf den Weltölmarkt zurückkehren und hat bereits angekündigt seine Ölexporte auf ca. 0,5 Mio. Barrel pro Tag zu erhöhen. Die aktuelle Überversorgung des Weltölmarktes, die der Hauptgrund für den Ölpreisverfall ist, wird sich somit in den kommenden Wochen ausweiten und die bereits auf einem 13-Jahrestief befindlichen Ölpreise weiter unter Druck setzen. Damit könnten Ölpreise von 20 Dollar/Barrel, die vor einigen Monaten von der US-Investmentbank Goldman Sachs prognostiziert wurden, aber zumeist als Übertreibung abgetan wurden, in den kommenden Wochen Realität werden. Hätte man vor zwei Jahren Ölpreise von unter 30 Dollar/Barrel vorhergesagt, hätte man höchstens schallendes Gelächter geerntet.

Als Reaktion auf das Ende des westlichen Ölembargos gegen den Iran gaben die Rohölpreise am heutigen Handelstag vom Start weg nach und fielen in frühen Handel rasant auf die tiefsten Stände seit Ende 2013. Danach setzte eine leichte Erholung ein, so dass die US-Sorte WTI nach einem zwischenzeitlichen Tiefststand von 28,4 $/b heute Morgen bei 28,8 Dollar/Barrel gehandelt wurde. Die europäische Leitsorte BRENT markierte zwischenzeitlich ein Tief von 27,7 $/b, kletterte dann jedoch wieder auf 28,2 Dollar/Barrel am Montagmorgen.

Für die deutschen Heizöl-Verbraucher ist die aktuelle Lage am Ölmarkt eine wahre Freude. So konnte man im vergangenen Jahr sogar beobachten, dass Ölheizungen aufgrund der extrem niedrigen Ölpreise, wieder deutlich an Marktanteil gewinnen konnten. Auch die Fahrt zur Tankstelle macht Verbrauchern zurzeit deutlich mehr Spaß als noch vor einem oder zwei Jahren. Als ölimportabhängiges Land profitiert Deutschland ganz eindeutig vom Ölpreisverfall. In einigen Förderländern wird die Situation hingegen zunehmend gefährlich. Sollten die Ölpreise auf ihrem aktuellen Stand verharren, wird z.B. das russische BIP in den kommenden Jahren weiter spürbar zurückgehen, denn das Land ist stark vom Ölpreis abhängig und kommt mit dem angestrebten Umbau der Wirtschaft eher schleppend voran. Die meisten ärmeren OPEC-Länder stehen vor ähnlichen Problemen und selbst die taktangebenden Förderländer um OPEC-Leader Saudi-Arabien geraten finanziell zunehmend unter Druck, wenn die Ölpreise auf lange Sicht auf ihrem derzeitigen Niveau verharren. Allerdings hat Saudi-Arabien zurzeit noch ausreichend finanzielle Reserven um mit dem niedrigen Ölpreis auch politische Ziele verfolgen zu können. Neben der möglichen Verteidigung der Marktanteil gegen die US-Schieferölförderung, spielt besonders die nun vollzogene Aufhebung des Ölembargos gegen den Iran eine Rolle. Denn der Iran könnte durch den steigenden Ölexport einen ökonomischen Aufschwung erleben, was dem zuletzt geschwächten, politischen Rivalen der Saudis wieder erstarken lassen könnte. Einen solchen Aufschwung des Iran können die Saudis durch niedrige Ölpreise zumindest verzögern.

Aussicht und Empfehlungen

Die Heizölpreise sind im Vergleich zu den Vorjahren, aber auch im Rückblick auf die letzten Monate sensationell niedrig. Wer also zurzeit Heizöl benötigt, der macht mit einer Bestellung gewiss keinen Fehler. Dennoch stellt man sich natürlich die Frage, ob die Preise in der nächsten Zeit nicht noch tiefer sinken können. Dies wollen wir zurzeit nicht ausschließen, besonders durch die Rückkehr des Iran auf den Weltölmarkt werden die Ölpreise wohl weiter unter Druck stehen. Da sich der €uro am Devisenmarkt zudem seit Jahresbeginn sehr stabil gegen die Ölwährung Dollar zeigt, kann es sich zurzeit auch lohnen auf weiter fallende Heizölpreise zu spekulieren.

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