Heizölpreise zogen sprunghaft an

Heizölpreise - Bundesweite Preisentwicklung von Heizöl

Obwohl die amerikanischen Öllagerbestände gestern auf den höchsten Stand seit über 80 Jahren geklettert sind, was die Überversorgung des Ölmarktes erneut bekräftigt, legten die Rohölpreise gestern deutlich zu und zogen heute auch die Heizölpreise in die Höhe. Im bundesweiten Durchschnitt zogen die Heizölpreise um deutliche 1,5 Cent/Liter an und egalisierten somit die gestrigen Preisnachlässe nahezu vollständig. Mit im Mittel 41,7 Cent/Liter stehen die Heizölpreise somit am Donnerstagmorgen wieder auf dem Preisniveau von Dienstag.

Bei der regionalen Betrachtung kletterten die Heizölpreise heute zwar in allen Bundesländern, allerdings fiel die Höhe der Preisanstiege sehr unterschiedlich aus. So stiegen die Heizölpreise in Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, also in der Hälfte der Bundesländer um deutliche 2,0 bis 2,1 Cent/Liter. Bei den tanke-günstig Partnerhändlern in Brandenburg, Berlin, Sachsen und Thüringen waren hingegen nur Anstiege in Höhe von 0,1 bis 0,2 Cent/Liter zu verzeichnen.

Bedingt durch den Ölpreisverfall der letzten eineinhalb Jahre um über 70 Prozent, ist das Heizen mit Öl aktuell wieder günstiger als das Heizen mit Erdgas. Während sich bei den Gastarifen im vergangenen Jahr kaum Ersparnisse ergeben haben, ist das Heizen mit Öl im Schnitt um fast 30 Prozent günstiger als Anfang Februar 2015. Im Vergleich zu den Grundversorgungstarifen der Gaslieferanten ist die Ölheizung somit aktuell um rund 20 Prozent günstiger als das Heizen mit Gas.

Entwicklungen am Ölmarkt

Nachdem die Ölpreise zum Wochenstart deutlich nachgegeben hatten, zogen sie am gestrigen Handelstag sprunghaft und deutlich an. Auch heute Morgen knüpften die Ölnotierungen an die starke Erholung vom Vortag an und legten weiter zu. In Summe kletterten die beiden Hauptsorten BRENT und WTI auf den heutigen Donnerstag jeweils um deutliche 2,3 Dollar/Barrel und notierten somit am Morgen bei 35,7 $/b und 32,9 Dollar/Barrel.

Die erneut starke Erholung der Ölpreise kam schon überraschend, denn die Nachrichtenlage fiel gestern eher bärisch aus. So meldete das US-Energieministerium Department of Energy (DOE) gestern Abend, dass die US-Rohöllager in der vergangenen Woche wieder einmal massiv angewachsen waren. Die Rohölbestände erfuhren einen Anstieg um 7,8 Mio. Barrel und die Lager der Ölprodukte kletterten um 5,1 Mio. Barrel. Mit nunmehr knapp 503 Mio. Barrel befinden sich die US-Rohöllager auf dem höchsten Stand seit rund 80 Jahren. Zusammen mit den Ölprodukten belaufen sich die in den USA eingelagerten Ölmengen aktuell auf unglaubliche 917 Mio. Barrel, also auf über 145 Milliarden Liter. Der Grund für die enorm gefüllten Öllager liegt einerseits in den USA selber, wo weiterhin sehr viel Öl gefördert wird, darüber hinaus nutzen die Amerikaner aber auch die niedrigen Ölpreise und importieren zurzeit wieder mehr Rohöl.

Der Anstieg der US-Ölreserven auf dieses neue Langzeit-Rekordhoch belastete die Ölpreise gestern allerdings kaum. Thematisiert wurde hingegen der schwächere Dollar, der in der Nicht-Dollar-Zone für Kaufsignale gesorgt haben soll und die Ölpreise somit gestützt hat. Der gestrige Anstieg der Ölpreise scheint bei der aktuellen Marktlage, mit der alleinigen Begründung eines schwächeren Dollars, doch etwas übertrieben ausgefallen zu sein. Auch wenn die Aussichten für einen weiter steigenden €urokurs zurzeit recht gut sind, weil die Konjunkturdaten aus den USA hinter den Erwartungen geblieben sind und hierdurch eine weitere US-Leitzinserhöhung auf sich warten lassen könnte, so ist der gestrige Anstieg des €uro auf knapp 1,11 $/€ wohl eher ein kurzfristiges Zwischenhoch.

Aussicht und Empfehlungen

Die Stimmung am Ölmarkt ist weiterhin unruhig und die Preise schwanken auf und ab. Trotz des gestrigen Preissprungs wird der Ölmarkt aber weiterhin durch das preisdrückende Angebots-Nachfrage-Verhältnis dominiert. Zwar testen Trader immer wieder einen Anstieg der Ölpreise, dieser ist meistens jedoch nur von kurzer Dauer und die Ölpreise kehren im Anschluss in die Abwärtsbewegung zurück. Auch der jüngste Anstieg könnte sich als wenig nachhaltig herausstellen, weil die Reaktion auf den schwächeren Dollar übertrieben ausgefallen ist. Es kann sich daher weiterhin lohnen auf fallende Heizölpreise zu spekulieren. Wer hingegen kein Risiko eingehen möchte, der findet weiterhin einen guten Bestellzeitpunkt vor. Denn in den vergangenen 12 Jahren waren die Heizölpreise nur an knapp 20 Tagen günstiger als heute.

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