Benzinpreise markieren Langzeittief

Entwicklung der Diesel- und Benzinpreise

Nachdem die Kraftstoffpreise an den heimischen Tankstellen zum Monatsbeginn leicht geklettert waren, haben sie in dieser Woche wieder die Abwärtsrichtung eingeschlagen. Besonders die Benzinpreise geben zurzeit deutlich nach und sind mit durchschnittlich 1,22 €uro/Liter am gestrigen Donnerstag auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenerhebung durch die MTS-K gefallen. Auffällig ist hierbei zudem, dass sich die Preisdifferenz zwischen den im Tagesverlauf teuersten und günstigsten Benzinpreise erhöht hat. So sind die niedrigsten Benzinpreise an den günstigsten Tankstellen seit Beginn des Jahres um rund 8 Cent/Liter gefallen während die im Tagesverlauf teuersten Benzinpreise lediglich um 3 Cent/Liter zurückgingen. Somit ist die Differenz zwischen den günstigsten und teuersten Benzinpreisen von 28 Cent/Liter zu Jahresbeginn auf aktuell 33 Cent/Liter geklettert.

 

Im bundesweiten Durchschnitt lag der Preis aller meldenden Tankstellen am vergangenen Donnerstag je nach Kraftstoffsorte bei:

- Diesel: 0,987 €uro je Liter
- Super: 1,223 €uro je Liter
- E10: 1,205 €uro je Liter

Der Abstand zwischen den günstigsten und teuersten Tankstellenpreisen stellte sich je nach Kraftstoffsorte am vergangenen Donnerstag wie folgt dar *:

- Diesel: 0,879 €/l zu 1,189 €/l (+ 31 ct/l)
- Super: 1,109 €/l zu 1,439 €/l (+ 33 ct/l)
- E10: 1,089 €/l zu 1,419 €/l (+ 33 ct/l)

Bezogen auf den statistischen Durchschnittspreis liegt der beste Zeitpunkt zum Tanken weiterhin zwischen 18 und 20 Uhr. Hierbei ist während des gesamten Tages ein kontinuierlicher Preisrückgang festzustellen, so dass um 19.00 Uhr herum die Tiefstpreise erreicht werden. Ab 20 Uhr ziehen die Kraftstoffpreise dann zumeist wieder deutlich an.

Allerdings brechen einige Tankstellen auch aus dieser Preissetzung aus. Daher kann bei der richtigen Wahl der Tankstelle auch zu anderen Zeitpunkten genauso günstig getankt werden, wie im Durchschnitt zwischen 18 und 20 Uhr. Auch gibt es zu jedem Zeitpunkt des Tages erhebliche Abweichungen zwischen den verschiedenen Tankstellen. Um bei der Vielzahl der Tankstellen die jeweils richtige Tankstelle zu finden, bietet unsere Tankstellensuche eine neutrale Unterstützung.

* Die hier dargestellten teuersten und günstigsten Diesel- und Benzinpreise können sowohl in räumlicher wie auch in zeitlicher Hinsicht deutlich voneinander abweichen, weshalb die Differenz der beiden Preise als ein theoretischer Wert zu verstehen ist. Zwar kann man häufig den Zeitpunkt beeinflussen an dem man tanken möchte, jedoch wird man nicht quer durch die Republik fahren um die günstigste deutsche Tankstelle anzusteuern.

Im Verlauf der Woche sind die Ölpreise erneut gefallen und markierten am gestrigen Handelstag zwischenzeitlich sogar ein neues 12-Jahres-Tief. Dann setzte jedoch eine Gegenbewegung ein und die Rohölpreise drehten ins Plus. Dennoch notiert die US-Sorte WTI am heutigen Freitagmorgen mit 27,4 Dollar/Barrel auf einem der niedrigsten Stände des laufenden Jahres. Und auch die europäische Leitsorte BRENT wurde mit 31,4 Dollar/Barrel am Freitagmorgen in der Nähe der 30-Dollar-Marke gehandelt.

Still und heimlich, aber eigentlich doch für jedermann sichtbar findet seit Ende 2014 eine kleine Revolution auf dem Weltölmarkt statt. Der Fracking-Boom in den USA hatte die globalen Energiemärkte zunächst überrascht und spätestens ab 2015 dann auch spürbar verändert. Bedingt durch den Fracking-Boom hat sich die Ölförderung in den Vereinigten Staaten innerhalb von fünf Jahren beinahe verdoppelt. Und auch wenn die US-Ölförderung bei den aktuell sehr niedrigen Ölpreisen vorerst wieder sinken wird, so kann davon ausgegangen werden, dass die US-Fördermengen wieder anziehen werden sobald die Ölpreise wieder auf ein lukratives Preislevel steigen.

Denn Fracking-Unternehmen benötigen derzeit nur noch wenige Wochen, bis aus einem neuen Bohrloch Öl gefördert wird. Weil die US-Ölindustrie aufgrund des Frackings nun sehr schnell auf sich verändernde Marktpreise reagieren und ihre Produktion hoch- und runterfahren kann, nehmen die Amerikaner eine neue Rolle am Ölmarkt ein. Zuvor hatte das Öl-Kartell OPEC und besonders deren Leader Saudi-Arabien das Monopol auf preisbeeinflussende Markteingriffe, mit dem Fracking-Boom verfügt nun auch die USA über ein Instrument die Preise am Ölmarkt zu beeinflussen.

Aus diesem Grund versucht Saudi-Arabien seit Ende 2014 die US-Fracking-Industrie durch einen Preiskampf in die Insolvenz zu treiben, umso die alte Marktrolle wieder einnehmen zu können. Doch auch wenn diese Strategie zunächst aufgehen sollte, so wird sie nur so lange erfolgreich sein bis die Ölpreise wieder auf ein Level gestiegen sind, was für die US-Ölförderer profitabel ist. Außerdem zeigt sich die Fracking-Industrie in den USA, trotz des Ölpreisverfalls, auch jetzt schon erstaunlich robust. Die teuersten Bohrlöcher wurden stillgelegt, Kreditlinien verlängert, die Kosten reduziert und die Fördertechniken optimiert. Die Verschiebung der Möglichkeit für preisbeeinflussende Markteingriffe hin zu den USA hat zu einem neuen Ölmarkt geführt, der uns wohl noch für längere Zeit niedrigere Ölpreise bescheren wird.

Neben den USA kämpft Saudi-Arabien aber auch innerhalb der OPEC um seine Vormachtstellung und hier besonders gegen den regionalen politischen Rivalen Iran. Gestern unterbot der Iran ein saudisches Angebot für einen asiatischen Großkunden und konnte diesen für sich gewinnen. Nun ist zu erwarten, dass Saudi-Arabien seine Marktanteile schützen will und vermutlich mit weiteren Preissenkungen reagiert.

Zusätzlich zum Preiskampf auf dem Weltölmarkt erlebt der €uro aktuell einen kleinen Höhenflug, was ebenfalls für preismindernde Impulse am Kraftstoffmarkt sorgt. So wird die europäische Gemeinschaftswährung zurzeit als sicherer Hafen gesehen, weil die Konjunktur in China und den USA in letzter Zeit schwächelte. Mit aktuell über 1,13 $/€ notiert der €uro auf einem 16-Wochen-Hoch. Daher werden die Kraftstoffpreise in den kommenden Wochen insgesamt wohl weiter unter Druck geraten. Für das anstehende Wochenende fallen die Vorgaben für die Kraftstoffpreise allerdings recht neutral aus, so dass sich Autofahrer wohl auf stabile Diesel- und Benzinpreise an den heimischen Zapfsäulen einstellen können.

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